handballer

Im Jahr 1984 blickt der Turnverein e. V. Anlässlich seines 100jährigen Bestehens auf eine erfolgreiche und bewegte Vergangenheit zurück.  Es gab viele Höhepunkte und auch Tiefen.  Die nachfolgenden Ausführungen können nur ein Auszug aus seiner 100jährigen Geschichte sein.  Das neunzehnte Jahrhundert ist als Epoche der Turnbewegung zu bezeichnen.  Friedrich Ludwig Jahn, der Begründer der deutschen Turnbewegung erkannte die Notwendigkeit von Turnen und Leibesübungen.   Turnen als Willensschule zur Formung von Körper und Geist.  Es war daher verständlich, daß auch in Großkrotzenburg beherzte Männer sich diese Ziele zu eigen machten, und im Jahre 1884 den Turnverein gründeten.  Ein lebhafter Turnbetrieb setzte ein; 1885 kam bereits ein Spielmannszug dazu.

Im Jahre 1890 erlebte der Verein seine Fahnenweihe.  Die Fahne als Symbol, hinter die sich die Turner bei Festen und sonstigen Anlässen scharten.

1899 trat der Turnverein durch ein Waldfest in die Öffentlichkeit.  Der Verein organisierte sich im Turnverband "Maingau".  Im Jahre 1902 löste man sich von diesem Verband und trat dem Turnverband "Maintal" bei, dem der Verein bis zum Jahre 1933 angehörte.   

Im Maintalgau rechnete der Verein zu den führenden Vereinen.  Das Vereinsleben entwickelte sich stetig weiter.  Der erste Weltkrieg machte jedoch viele Hoffnungen und Ziele des Vereins zunichte.  Der Verein konnte sich von den harten Schlägen und Verlusten nur allmählich erholen.  Der Turnbetrieb wurde wieder aufgenommen.   Man hatte seinerzeit nur einfache Sportstätten, meistens die Gärten von Gasthäusern. im Winter mußte man in Säle ausweichen. 

 

Der Turnverein im Jahre 1902

 Hier konnte der Turnbetrieb nur unzulänglich ausgeführt werden.  Mehr und mehr wuchs die Sehnsucht nach einer vereinseigenen Turnhalle.:   Es muß erwähnt werden, daß der Verein bereits 1920 über eine gute Geräteturner-Riege verfügte.  Im Jahre 1923 wurde die Frauenriege gegründet.Im Jahr 1924 fand auf den Mainwiesen das Gauturnfest statt.  Das gab dem Verein einen erneuten Auftrieb.  Im gleichen Jahr entschloß man sich zum Bau der Turnhalle

Der Verein hatte nunmehr eine Stätte für einen geordneten turnerischen und sportlichen Betrieb.  Darüber hinaus entfaltete sich das gesellige und kulturelle Leben im Verein.  Die verschiedensten Feiern konnten durchgeführt werden, Gerätewettkämpfe wurden veranstaltet.  Und im Winter widmete man sich auch 'dem Theaterspiel.  Die Jahre 1925 - 1933 dürfen als erfolgreiche Jahre der Vereinsgeschichte angesehen werden.  Der Verein bot in diesen Jahren eine breite Palette der Betätigungen an.  Neben dem Geräteturnen waren auch die Leichtathleten (früher Volksturner) in den Mittelpunkt getreten.  Alle Abteilungen spielten im Maintal-Turngau eine beachtliche Rolle.   Belebend wirkte sich die Tätigkeit des Spielmannszuges.

Im Jahr 1933, als Jahr des Umschwungs und der Gleichschaltung bezeichnet, wurde der Verein dem Turngau Main-Kinzig zugeordnet.  Sein erstes Auftreten mit Geräteturnern, Frauenriege, Leichtathleten und Musterriege war erfolgreich und überzeugend.Es sei noch erwähnt, daß man seinerzeit auch mit dem Bau eines Sportplatzes in der Schachenwiese begann, der dem Handballspiel diente.In den weiteren Jahren, insbesondere 1936 - Olympiade in Berlin und 1938 Deutsches Turn- und Sportfest in Breslau, kam es im Verein zu neuen Höhepunkten.In dieser Zeit suchte man die Eigenständigkeit des Turnvereins zu unterdrücken.  Von außen her kamen Bestrebungen des Zusammenschlusses mit anderen Sportvereinen.

Wirtschaftlich erlebte der Verein gewisse Einschränkungen, indem man Veranstaltungen in der Turnhalle nicht mehr genehmigte.  Das erlahmte die Aktivität der Mitglieder. 

Turnriege 1928 : Karl Albert, Karl Funk, Wilhelm Bermann, Georg Schaak, August Bergmann, Jakob Merget, Fritz Bergmann, Karl Bergmann
 

Mit dem Ausbruch des 2.Weltkrieges begann der Niedergang des Vereins.  Durch die Einberufungen der Aktiven wurde das Vereinsleben entscheidend gelähmt.  Die Folge war, daß man sich mit dem Gedanken der Auflösung des Vereins befaßte.  Hinzu kam, daß aus wirtschaftlichen Zwängen heraus die Turnhalle an die Gemeinde verkauft werden mußte.Doch in der letzten Versammlung war man davon überzeugt, daß die Auflösung nur eine vorübergehende sein konnte.  Nach Ende des Krieges muß es wieder weitergehen, das war das Vermächtnis der Männer, die seinerzeit die Geschicke des Vereins zu leiten hatten; das war im Jahre 1941.

Es würde zu weit führen, wollte man alle Turner und Turnerinnen mit ihren Erfolgen bei Turnfesten und sonstigen sportlichen Veranstaltungen namentlich aufführen.  Das gleiche gilt für die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter im Turnrat und im Vorstand.  In der Festschrift zum 7 5 jährigen Jubiläum ist dies ohnehin hinreichend geschehen.

Der Turnverein war in jeder Zeit geschätzt und geachtet.   Im Gemeinwesen stellte er einen entscheidenden Faktor dar.  In jeder Epoche der Vereinsgeschichte gab es Männer und Frauen, die ohne Rücksicht auf Stand, Parteien, Rassen, Konfessionen und Alter sich den hehren Zielen der Turnbewegung verschrieben haben.  Sie alle waren von dem Gedanken beseelt.  Das Verlangen nach Gesundheit durch Turnen und Sport.  Es bestand die Sehnsucht nach dem Schönen und der Wunsch, fröhliche und freie Menschen zu formen und der Gemeinschaft zu dienen.

Die Turnhalle vor dem 2. Weltkrieg

Die Zeit nach dem .2 Weltkrieg

Die furchtbaren Auswirkungen des zweiten Weltkrieges und der ersten Nachkriegsjahre hinterließen auch beim Turnverein ihre Spuren. 19 Mitglieder kehrten nicht mehr zurück, und viele mußten harte Jahre in der Gefangenschaft verbringen.  Die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse und die Bestimmungen der Militärregierung verzögerten die Neugründung des Vereins.  Die Idee des Turnens blieb jedoch wach, und sobald sich die Verhältnisse etwas gebessert hatten, dachten viele treue Mitglieder an eine Wiedergründung.  Nach vielen Vorbesprechungen war es endlich soweit, und am 22.  Juli 1950 wurde der Turnverein 1884 wieder ins Leben gerufen.

Die Leitung lag damals in den Händen von Albert Bergmann, und Fritz Bergmann übernahm das schwierige Amt des Oberturnwartes.   Die Anfänge waren noch recht bescheiden.  Der Turnbetrieb sowie das Vereinsleben begannen zögernd und unter Schwierigkeiten, zumal die Turnhalle noch im Besitz der Gemeinde war. Albert Bergmann war einer jener langjährigen treuen Mitglieder, durch deren großen Einsatz ein Stück Vereinsgeschichte geschrieben wurde.  Er leitete die Vereinsgeschicke als 1. Vorsitzender bis 1957.  Seinen Bemühungen ist es zu verdanken, daß die Turnhalle 1951 wieder in Vereinsbesitz überging.  Es war die Voraussetzung, eigenständige Veranstaltungen in der Halle abzuhalten und einen regelmäßigen Turnbetrieb zu ermöglichen.  Mit Eifer gingen die Mitglieder an die Renovierung ihrer Halle, die nun von neuem zum Mittelpunkt des Vereinslebens wurde.

Unter der Leitung von Josef Zimmermann gründete man den Spielmannszug wieder, der ab Mai 1951 mit den Übungsstunden begann.  Die Verbindung mit den Turnvereinen der Umgebung wurde aufgenommen und bald bestanden wieder die alten freundschaftlichen Beziehungen.

 

Die wachsame und sparsame Wirtschaftsführung des 1. Vorsitzenden ermöglichte den sich stetig weiterentwickelnden Sportbetrieb zu finanzieren.  In den fünfziger Jahren beteiligten sich etwa 10 Turner, 15 Turnerinnen, 20 Schüler und 45 Schülerinnen regelmäßig an den Übungsstunden.  Dem Verein gehörten zu dieser Zeit etwa 180 Mitglieder an.  Als größter turnerischer Erfolg ist der 16.   Platz von Fritz Bergmann und der 37.   Platz seines Sohnes Egon beim Deutschen Turnfest in Hamburg zu erwähnen.  Der Spielmannszug wurde in d(,n darauffolgenden Jahren in der näheren und weiteren Umgebung immer mehr bekannt.

Turnriege im Jahr 1954 :  Riegenführer Fritz Bermann, Rudolf Riedl, Egon Bergmann, Paul Heinz Bermann, Egon Braun, Oskar Bohländer, Heinz Funk, Hilmar Börner

Zu jener Zeit verspürte man auch im Turnverein einen Umbruch der geistigen Einstellung zum Sport.  Mit dem Angebot des althergebrachten Geräteturnens war die Jugend nicht mehr zu begeistern.  Die aus der Vergangenheit überholte Tradition eines reinen Männerturnvereins wurde beiseitegeschoben und man suchte gesellschaftliche verbindende Ballspiele.  Oberturnwart Karl Rollmann erkannte diesen Trend der Jugendbewegung und es kam zur Gründung der Tischtennisabteilung im Jahr 1956.

1957 entstand eine Wende in der Vereinsführung.  Josef Kunkel wurde zum 1. Vorsitzenden durch die Jahreshauptversammlung gewählt.  Albert Bergmann setzte all seine Kraft in die Geschäftsführung des Vereins. yes">  Durch die rege Betriebsamkeit im Sport als auch die

Am 16.10.1973 wurde der Bauplan vom Landkreis Hanau genehmigt, wobei der Finanzierungsplan Investitionen in Höhe von 330.000 DM auswies.  Diese Summe belastete den Verein sehr stark, denn bis auf Zuschüsse von 61.000 DM mußten Eigenmittel bzw.  Fremdkapital aufgenommen werden. Nach der Genehmigung des Bauplans wurden die Maßnahmen eingeleitet und im Jahre 1983 mit der Dachumdeckung abgeschlossen.  Dazwischen lagen Kellerausbau, An- und Umbau des Seitengebäudes, Sanierung der Heizungsanlage, Renovierung der Außenanlagen, Entfernen der Hallenstützen und freitragende Konstruktion im Dachgeschoß, Modernisierung der Toilettenanlage, Bau eines Abstell- und Gerätegebäudes hinter der Halle, Installierung eines Jugendraumes im Dachgeschoß, Garderobenrenovierung, Bühnengestaltung, Installierung neuer Türen und Fenster.  Auch eine Innenrenovierung war erforderlich, um die Halle für Veranstaltungen attraktiv zu halten, denn die immens hohen Kosten für Unterhaltung der Halle und Sportbetrieb können nicht nur durch Mitgliedsbeiträge und Zuschüsse, sondern müssen zum größten Teil durch Wirtschaftsbetrieb aufgebracht werden.

Nach Abschluß all dieser Maßnahmen kann der Verein bei seinen Veranstaltungen den Gästen ein echtes Schmuckkästchen präsentieren, hat aber an den Folgen der Finanzierung schwer zu tragen.  Im Großkrotzenburger Veranstaltungskalender besitzen die Termine des Turnvereins, wie Erwachsenendiscos, Äppelwoifest, Faschingsbälle etc. einen guten Ruf.

In sportlicher Hinsicht erhielt der Verein durch den Bau der Großsporthalle im Jahr 1971 große Impulse.  Die Handballabteilung, gerade aus der A-Klasse abgestiegen, konnte ihre Jugendarbeit stark forcieren.  Die Früchte konnte man ab dem Jahre 1978 ernten, als die 1. Mannschaft stark verjüngt wurde.  Von da an ging es stetig bergauf, mit dem Wiederaufstieg 1983 wurde ein Höhepunkt erreicht.  Die Gründung der Judoabteilung wurde erst durch diese Sportstätte ermöglicht.  Daß für diese Sportart ein enormer Nachholbedarf bestand, ist durch den großen Zuspruch, der von Beginn an erfolgte, erwiesen.   Besonders im Jugendbereich sind auch schon tolle Erfolge erzielt worden.

Ebenfalls in der großen Sporthalle trainiert die Volleyballabteilung, die auch für die älteren Mitglieder die Möglichkeit zur sportlichen Betätigung bietet.  Jahrelang wurde hier jedoch die Nachwuchsarbeit vernachlässigt, erst im Jahr 1983 wurde hier ein Versuch gestartet, der prächtig einschlug.  Auch den Hausfrauen unter Leitung von Rosemarie Bonewitz sind hier sehr gute Bedingungen gegeben.

handballer

Handballer 1957 :  Alfons Rollmann, Gerhard Sikora, Reinhold Keim, Aribert Kelm, Paul Heinz Bergmann, Werner Huth, Klaus Ballmann, Bruno Morawetz, Norbert Bergmann, Egon Bergmann, Weiß, Josef Brehm, Helmut Eltner

Die verbesserten Bedingungen in der vereinseigenen Halle bedingten den Aufschwung der Tischtennisabteilung, der 1982 im Aufstieg der 1. Mannschaft in die Gruppenliga gipfelte.  Da finanzielle Zuwendungen nicht erfolgen können, liegt die Zukunft dieser Abteilung in einer forderten Nachwuchsarbeit.  Auch die Jazzgymnastinnen sind hier sehr zufrieden.  Mehr als 100 Mitglieder, meist weiblichen Geschlechts, wirken hier begeistert mit.

 

Die Turnabteilung ist nicht mehr wie in den Anfangsjahren des Vereins die Hauptabteilung, doch auch hier hat der Turnverein eine große Palette zu bieten.  Diese reicht von der Übungsgruppe Mutter + Kind über verschiedene Altersstufen hin zum Leistungsturnen.  Die jüngsten Kinder des Vereins sind die Badminton- und die Basketballabteilung.  Schon ein Jahr nach der Gründung nahmen die Badmintonspieler, denen Abteilungsleiter H. Böhme vorsteht, den Spielbetrieb in der Verbandsrunde auf.  Derzeit erhofft man sich durch eine gute Jugendarbeit weiteren Aufschwung.  Dem Basketball im Turnverein haben sich seit einem halben Jahr junge Damen verschrieben.  Durch intensives Training bereiten sie sich auf den Einsatz in der Verbandsrunde vor.

 

In insgesamt 12 Abteilungen gliedert sich im Jubiläumsjahr 1984 der Turnverein 1884 Großkrotzenburg. Über 900 Mitglieder nehmen ein Angebot wahr, welches den größten Verein der Gemeinde auch über die Ortsgrenzen hinaus bekannt macht.  Qualifizierte Übungsleiter und viele, viele ehrenamtliche Mitarbeiter sorgen für einen reibungslosen Ablauf dieser umfangreichen Palette.  Jede einzelne dieser Abteilungen wird sich im Jubiläumsjahr mit einer eigenen Veranstaltung präsentieren und so zu einem würdigen Jubiläum beitragen.